Geschichten · Lerngeschichten

Emma und der alte Apfelbaum

Ein Baum soll gefällt werden und die Tiere retten ihn.

  • Veröffentlicht: 26.09.2026
  • Alter: 5–10 Jahre
  • 7 Minuten Vorlesezeit
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Emma Eichhörnchen saß auf ihrem Lieblingsast und ließ die Beine baumeln. Unter ihr duftete das Gras nach Sommer. Über ihr schaukelten grüne Blätter. Und direkt vor ihrer Nase hing ein kleiner Apfel.

„Du musst noch wachsen“, sagte Emma. „So ungefähr bis hier.“

Sie hielt ihre Pfoten weit auseinander.

„Dann wäre er größer als dein Kopf“, piepste Mimi Maus von unten.

„Eben! Dann reicht er für zwei Frühstücke.“

Der alte Apfelbaum stand am Rand des Freche-Maus-Waldes. Sein Stamm war krumm. In seiner Rinde gab es tiefe Falten. Ein Ast sah aus wie ein ausgestreckter Arm.

Emma kannte jede Astgabel. Hier spielte sie Verstecken. Hier schlief sie manchmal ein. Und hier hörte sie den Blättern beim Rascheln zu.

Doch heute hing etwas Neues am Stamm.

Ein weißes Schild.

Emma sauste hinunter.

„Was steht da?“, fragte sie.

Mimi legte den Kopf schief. „Wir holen Piet. Der kann auch die kleinen Buchstaben lesen.“

Ein Schild am Stamm

Piet Igel kam mit einer Brombeere auf einem Stachel. Die hatte er noch gar nicht bemerkt.

Er stellte sich vor das Schild und las langsam vor:

„Dieser Baum wird am Freitag gefällt. Hier entsteht ein breiter Weg zur Obstwiese.“

Emma wurde ganz still.

„Gefällt?“, fragte sie. „Dann ist er weg?“

Piet nickte.

Ein Windstoß fuhr durch die Krone. Die Blätter flüsterten. Emma legte beide Pfoten an den Stamm.

„Aber hier wohne ich doch manchmal“, sagte sie. „Und ich habe ihm noch gar nicht meinen neuen Purzelbaum gezeigt.“

Mimi stemmte die Pfoten in die Seiten.

„Dann darf er eben nicht weg!“

„Wir müssen herausfinden, wer den Weg baut“, sagte Piet.

In diesem Moment kam Bruno Bär vorbei. Er trug einen Korb, in dem genau eine Himbeere lag.

„Die anderen musste ich unterwegs probieren“, erklärte er.

Als er das Schild sah, vergaß er sogar die letzte Beere.

„Den Weg plant Herr Biber“, sagte Bruno. „Er war gestern am Bach und hat Holzpfosten gezählt.“

„Dann reden wir mit ihm“, entschied Emma.

Herr Biber saß tatsächlich am Bach. Vor ihm lag ein großer Plan, beschwert mit vier Steinen.

„Der neue Weg“, erklärte er freundlich, „soll breit genug für Brunos Obstwagen werden. Auf dem alten Pfad bleibt der immer stecken.“

Bruno nickte. „Besonders, wenn er voll ist.“

„Und der Apfelbaum steht genau hier.“ Herr Biber tippte auf den Plan.

Emma schaute auf den geraden Strich.

„Auf deinem Papier sieht er ganz klein aus.“

„Das ist er auch. Auf dem Papier.“

„Aber im Wald ist er riesig wichtig!“

Herr Biber kratzte sich am Kinn.

„Dann zeigt mir, warum. Und wenn ihr einen anderen Platz für den Weg findet, sehe ich ihn mir an.“

„Heute noch!“, rief Mimi.

„Nach meiner Himbeere“, murmelte Bruno.

Wer wohnt denn hier?

Zurück am Baum holte Emma tief Luft.

„Wir müssen alles finden, was zu ihm gehört.“

„Die Äpfel!“, sagte Bruno sofort.

„Die Blätter“, ergänzte Piet.

„Mein Lieblingsplatz!“, rief Emma.

Fritz Fuchs kam durchs Gras geschlendert. In seinem Fell hing eine Feder.

„Was wird hier gesammelt?“

„Gründe, warum unser Baum bleiben soll“, erklärte Mimi.

Fritz betrachtete den Stamm.

„Dann braucht ihr vermutlich einen sehr großen Korb.“

Sie begannen unten.

Zwischen den Wurzeln lag kühle, feuchte Erde. Mimi entdeckte einen Regenwurm, der langsam unter einem Blatt verschwand.

„Hier trocknet es nicht so schnell aus“, sagte Piet.

Bruno setzte sich in den Schatten.

„Kann ich bestätigen.“

Über ihnen summte es. Eine Wildbiene kroch in ein winziges Loch im trockenen Holz.

Emma kletterte höher. In einer Astgabel lag ein Vogelnest. Frau Meise saß am Rand.

„Bitte nicht so nah“, piepste sie. „Meine Kleinen schlafen gerade.“

Emma blieb sofort stehen.

„Wir wollen den Baum retten“, flüsterte sie.

„Dann flüstert dabei weiter“, antwortete Frau Meise.

Noch höher entdeckte Emma Flechten. Sie sahen aus wie kleine graugrüne Inseln.

Fritz fand im Gras einen alten, runzeligen Apfel vom Vorjahr.

„Ein Apfel mit Großvatergesicht.“

Darunter krabbelten winzige Käfer.

„Besetzt“, stellte Fritz fest und legte ihn vorsichtig zurück.

Piet sammelte alles auf einem großen Blatt Papier. Mimi malte Bilder dazu: einen Wurm, eine Biene, drei Blätter und einen Bären.

„Warum bin ich so rund?“, fragte Bruno.

Mimi betrachtete ihn. Dann betrachtete sie ihr Bild.

„Ich hatte nur einen kleinen Stift.“

Am Nachmittag kam Herr Biber. Emma führte ihn um den Baum. Sie zeigte ihm die Wurzeln, die Bienenlöcher und von weitem das Nest.

Herr Biber schaute lange nach oben.

„Das stand alles nicht auf meinem Plan“, sagte er.

„Es hat ja auch niemand stillgehalten, damit du es einzeichnen kannst“, meinte Fritz.

Herr Biber lachte. Dann rollte er seinen Plan aus.

„Jetzt fehlt uns noch ein Weg.“

Eine Kurve für den Apfelbaum

Alle beugten sich über das Papier.

Mimi zeichnete mit dem Finger einen großen Bogen.

„Einfach außen herum!“

„Da liegt der Teich“, sagte Piet.

„Dann eben anders außen herum.“

„Dort wachsen die jungen Haselsträucher.“

Bruno stand auf und ging langsam über die Wiese. Hinter dem Apfelbaum blieb er stehen.

„Hier ist doch Platz.“

Die anderen liefen zu ihm.

Zwischen dem Baum und einer alten Steinbank lag ein breiter Streifen Gras. Herr Biber maß ihn mit seiner langen Schnur aus.

„Vielleicht“, murmelte er.

„Das ist ein gutes Vielleicht“, flüsterte Emma.

Sie steckten kleine Zweige in die Erde, um den neuen Weg zu markieren. Piet achtete darauf, dass genug Abstand zum Stamm blieb.

„Die Wurzeln brauchen auch Platz“, erklärte er.

Dann holte Bruno seinen Obstwagen.

Er zog ihn zwischen den Zweigen hindurch. Erst langsam. Dann ein bisschen schneller.

An der Kurve hielt er an.

Emma hielt ebenfalls an. Sogar ihr Schwanz stand still.

Bruno rückte einen Zweig zur Seite und zog weiter.

Der Wagen rollte vorbei.

Ohne Ruckeln. Ohne Steckenbleiben.

„Eine gemütliche Kurve“, sagte Bruno zufrieden.

Herr Biber nickte.

„So machen wir es.“

Emma sprang in die Luft.

Mimi hüpfte hinterher.

Fritz verbeugte sich vor dem Baum. „Herzlichen Glückwunsch. Du bleibst stehen.“

Am Freitag wurde der neue Weg begonnen. Das weiße Schild verschwand.

Ein paar Wochen später rollte Bruno seinen Wagen über die fertige Kurve. Darin lagen die ersten reifen Äpfel.

Emma saß auf ihrem Lieblingsast und biss in einen besonders saftigen.

„Weißt du was?“, sagte sie zum Baum. „Heute zeige ich dir endlich meinen Purzelbaum.“

Unter ihr breitete Bruno vorsichtshalber die Arme aus.

Der alte Apfelbaum raschelte.

Zum Weiterdenken

Welche Tiere könntet ihr an einem alten Baum entdecken? Habt ihr draußen einen Lieblingsbaum? Was würdet ihr Herrn Biber an diesem Baum zeigen?

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