Geschichten · Lustige Geschichten
Die Maus, die nicht teilen wollte
Mimi hortet Käse und merkt, dass Teilen mehr Freude macht.
Mimi Maus hatte einen Schatz gefunden. Er glänzte nicht. Er klimperte nicht. Und eine Krone konnte man daraus auch nicht machen. Jedenfalls keine, die lange hielt.
Ihr Schatz war ein ganzer Korb voller Käse.
Er stand vor ihrer kleinen Tür unter der alten Buche. Daneben lag ein Zettel von Tante Trude: „Für dich und deine Freunde. Lass es euch schmecken!“
Mimi las den Zettel zweimal. Dann schnupperte sie.
„Oh“, flüsterte sie. „Oh, wie wunderbar käsig!“
Da waren dicke Stücke und dünne Scheiben. Gelber Käse mit Löchern. Weißer Käse ohne Löcher. Und ein runder Käse, der aussah wie ein kleiner Mond.
Mimi schob den Korb ins Haus.
Den Zettel legte sie unter ihre Fußmatte.
Ein Schatz mit Löchern
Zuerst stapelte Mimi den Käse auf dem Tisch. Dann auf dem Stuhl. Dann legte sie drei Stücke auf ihr Kopfkissen.
„Nur vorübergehend“, sagte sie. „Ein Schatz braucht schließlich Platz.“
Sie zählte alles.
„Eins, zwei, drei …“
Beim siebten Stück biss sie hinein.
„Das zählt trotzdem noch.“
Draußen hüpfte Emma Eichhörnchen durch das raschelnde Laub.
„Mimi! Kommst du Kastanienkegeln?“
Mimi öffnete die Tür nur einen Spalt.
„Heute nicht. Ich muss aufräumen.“
Emma schnupperte. Ihre Nase wackelte.
„Riecht dein Aufräumen nach Käse?“
„Ein bisschen“, sagte Mimi.
„Ich habe knackige Haselnüsse. Wollen wir zusammen frühstücken?“
Mimi dachte an den Mondkäse. An die dicken Stücke. An die dünnen Scheiben.
„Mein Frühstück ist schon fertig.“
„Na gut.“ Emma ließ eine Haselnuss auf der Türschwelle liegen. „Falls du später knabbern möchtest.“
Mimi wartete, bis Emma verschwunden war. Dann holte sie die Nuss herein.
„Sehr freundlich“, murmelte sie und legte sie neben den Käse.
Kurz darauf klopfte Piet Igel.
„Guten Morgen. Bruno und ich machen ein Picknick am Bach. Möchtest du mitkommen?“
„Ich habe zu tun.“
Piet blickte durch den Türspalt. Hinter Mimi lag ein Käsestück auf dem Boden.
„Dein Käse wandert“, stellte er fest.
Mimi stellte schnell einen Fuß darauf.
„Das ist mein Fußkäse.“
Piet blinzelte.
„Eine ungewöhnliche Sorte.“
Mimi kicherte. Dann wurde sie wieder ernst.
„Ich passe heute auf meine Vorräte auf.“
„Verstehe“, sagte Piet. „Wir sind bei der flachen Wiese.“
Als er gegangen war, hob Mimi den Käse vom Boden auf.
„Ihr bleibt alle hier“, sagte sie zu ihrem Schatz.
Der Käse widersprach nicht.
Sehr viel Käse, sehr wenig Platz
Bald war Mimis Haus so voll, dass sie seitwärts zur Küche gehen musste.
Auf dem Hocker lag Käse. Im Lesesessel lag Käse. Sogar in ihrer roten Tasse steckte ein kleines Stück.
„Wo trinke ich denn jetzt meinen Tee?“
Mimi nahm den Käse aus der Tasse und legte ihn auf den Hocker. Dort rutschte ein anderes Stück herunter.
Sie fing es auf.
Dabei stieß sie mit dem Po gegen den Tisch.
Der Mondkäse rollte los.
„Halt!“
Mimi sprang hinterher. Der Käse rollte unter den Sessel.
Dort blieb er liegen.
Mimi lag davor auf dem Bauch und streckte beide Arme aus.
„Komm sofort zurück!“
Es klopfte.
„Brauchst du Hilfe?“, rief Fritz Fuchs.
„Nein!“, rief Mimi.
Dann schob sie ihre Nase unter den Sessel.
„Vielleicht ein ganz kleines bisschen.“
Fritz trat ein und schaute sich um.
„Donnerkäse! Hast du einen Laden eröffnet?“
„Nein. Das ist alles meins.“
„Dann bist du wohl die Kundin.“
Mit einem langen Grashalm stupste Fritz den runden Käse vorsichtig hervor. Mimi fing ihn und drückte ihn an sich.
„Danke.“
„Gern. Kommst du zum Bach? Bruno hat eine Decke dabei. Eine große. Fast so groß wie sein Frühstückshunger.“
Mimi schüttelte den Kopf.
Fritz nickte nur.
„Falls du kommst: Wir halten dir ein mausgroßes Plätzchen frei.“
Nun war Mimi wieder allein.
Sie setzte sich auf den Boden, weil sonst nirgends Platz war. Sie aß ein Stück Käse. Dann noch eins.
Das erste schmeckte wunderbar.
Das zweite auch.
Beim dritten hörte sie draußen ein Lachen.
Es kam vom Bach.
Mimi hielt inne.
Sie kannte dieses Lachen. Emma lachte so, wenn sie etwas besonders Lustiges gesehen hatte.
Dann brummte Bruno: „Noch einmal!“
Mimi kaute langsamer.
Sie baute aus drei Käsestücken einen Turm.
„Seht mal“, sagte sie.
Niemand sah hin.
Der Käsemond geht auf Reisen
Mimi legte den angebissenen Käse zurück auf den Teller. Dann ging sie zur Tür.
Unter ihrer Fußmatte raschelte es.
Der Zettel.
Mimi zog ihn hervor.
„Für dich und deine Freunde“, las sie leise.
Eine Weile strich sie mit der Pfote über das Papier.
Dann holte sie ihren kleinsten Korb.
Sie legte zwei Scheiben hinein.
„Das reicht.“
Sie schaute zum Tisch.
Dort lag der runde Käse.
Mimi nahm ihn hoch. Legte ihn wieder hin. Nahm ihn noch einmal hoch.
„Du kommst mit.“
Am Bach saßen ihre Freunde auf Brunos karierter Decke. Emma balancierte eine Haselnuss auf dem Kopf. Fritz versuchte dasselbe mit einem Apfel.
Der Apfel fiel in seinen Schoß.
„Absicht“, erklärte Fritz. „So spare ich mir das Pflücken.“
Mimi musste lachen.
Vier Köpfe drehten sich zu ihr.
„Da bist du ja!“, rief Bruno und rückte ein ganzes Stück zur Seite.
Mimi hielt ihren Korb fest.
„Ich habe Käse mitgebracht.“
„Wie schön“, sagte Piet.
Niemand griff hinein.
Das machte es Mimi ein wenig leichter.
Sie nahm eine Scheibe und gab sie Emma. Die zweite reichte sie Fritz.
Dann hielt sie den Mondkäse in beiden Pfoten.
„Der ist mein liebster.“
„Den kannst du wieder einpacken“, sagte Bruno. „Setz dich erst einmal.“
Mimi setzte sich. Emma gab ihr eine Haselnuss. Piet schob ein Brotstück zu ihr. Fritz teilte seinen Apfel. Bruno schenkte ihr Beerentee ein.
Mimi betrachtete ihren vollen Teller.
Dann schaute sie auf den Käsemond.
„Piet? Kannst du daraus fünf Stücke machen?“
„Bestimmt.“
Bald hielt jeder ein Stück in der Pfote.
Bruno nahm einen winzigen Bissen und schloss die Augen.
„Mmmh.“
Emma knabberte gleichzeitig an Käse und Nuss.
„Das knuspert und schmilzt!“
Fritz hielt sein Stück ans Ohr.
„Meiner sagt, er möchte noch etwas Brot.“
Mimi lachte so sehr, dass ihr Käse beinahe herunterfiel.
Als der Korb leer war, sah sie hinein.
Ganz leer.
Sie wartete auf das ärgerliche Ziehen im Bauch.
Aber da war nur ein warmes, sattes Gefühl.
„Bei mir zu Hause gibt es noch viel mehr“, sagte sie. „Und wenn ihr mitkommt, können wir hinterher sogar wieder in meinem Sessel sitzen.“
Bruno stand auf.
„Ich trage den großen Korb.“
„Und ich rette deine Teetasse“, sagte Fritz.
Mimi sprang voraus.
Diesmal ließ sie die Tür weit offen.
Zum Weiterdenken
Welches Käsestück wäre dir besonders schwergefallen zu teilen? Was hättest du zu Mimis Picknick mitgebracht? Mit wem würdest du gern auf Brunos großer Decke sitzen?